Blau

“Ein Blinder kann zwar lernen, mit dem Wort 'blau' umzugehen, aber er kann nicht wirklich verstehen, was blau bedeutet.”


“Aber auch ein Blinder kann wissen, dass verschiedene Schattierungen von blau, in denen das Meer vor der Küste Sardiniens erscheint, Menschen ästhetisch berührt, dass Blau die Farbe des Himmels ist, dass Leute im “Blaumann” schwere technische Arbeiten erledigen, er kann “ins Blaue” hinein fabulieren, blau machen, den Blues haben und Blues mögen, mit einem blauen Auge davonkommen, wissen das Verkehrsampeln nie blau sind, Blaulicht hingegen per definitionem, oder vom Blauen Band in der romantischen Lyrik gehört haben und vielleicht emotional davon berührt sein.“

“Aber all diese Aussagen sind nur angehängt an den zentralen Begriff von der Farbe blau, diese ist die ursprüngliche Essenz von Blau, und diese kann der Blinde nicht kennen, deshalb kann er “blau” nicht wirklich verstehen. Im Zentrum seines Verständnisses von blau sitzt sozusagen ein blinder Fleck."

Das kann man so sehen. Man kann es aber auch so sehen, dass Blau ein vieldimensionaler Vektor ist, ein Punkt in unserer geistigen Landkarte mit vielen assoziativen Bezügen zu vielen anderen Punkten, und dass das Ensemble all dieser Bezüge die Essenz von “blau” sei. Dann würde dem Blinden nur ein Bezug von vielen fehlen, nämlich die Verbindung mit dem visuellen Eindruck blauen Lichts.

Man könnte sich auf der einen Seite an einen belesenen (Blindenschrift), kommunikationsfreudigen Blinden denken, für den all diese Bezüge lebendig sind. Auf der anderen Seite eine sehenden Kaspar Hauser, der keine Sprache kennt und nie mit Anderen kommuniziert hat.


Macht es Sinn zu sagen, der Kaspar Hauser habe, wenn er den Himmel sieht, das wesentliche von “blau” erfasst, der Blinde, der einen Satz mit dem Wort “blau” hört, jedoch nicht?

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